Prävention und Lebensqualität

Eine realistische Zielsetzung

Dr. Manfred Eggersdorfer

Professor for Healthy Ageing University Medical Center Groningen


Eine der bemerkenswertesten Errungenschaften der Menschheit ist die erhöhte Lebenserwartung. Die Lebensdauer hat zugenommen und nimmt weiter zu. Deshalb wird das 21. Jahrhundert häufig auch als das Jahrhundert der Älteren bezeichnet. Experten erwarten, dass bis 2040 in Europa bis zu 35 % der Bevölkerung älter als 65 Jahre sein werden. Leider geht dieser Gewinn an Lebensjahren für viele Menschen nicht mit einem Gewinn an Jahren gesunden Lebens einher. Die gesunde Lebensphase ist etwa 10 Jahre kürzer als die Lebenserwartung, d.h. die letzte Dekade ist häufig durch Einschränkungen, Gebrechlichkeit und Krankheit charakterisiert. Die Gesellschaft steht vor der Herausforderung, dass ernährungsbedingte Krankheiten (sogenannte nicht übertragbare Krankheiten, in Englisch non-communicable diseases = NCDs) wie Osteoporose, Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs, um nur einige zu nennen, kontinuierlich in der Summe der Krankheiten und Todesursachen zunehmen. Es mehren sich die Hinweise, dass Lifestyle-Faktoren erhebliche Auswirkungen auf Gesundheit, Wohlbefinden und gesundes Altern haben. Das Risiko für die ernährungsbedingten Krankheiten kann durch den Lebensstil verringert werden, wobei die Ernährung ein wesentlicher Bestandteil davon ist. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind etwa ein Drittel der Krebserkrankungen und bis zu 80 % der Todesfälle durch Herzkrankheiten, Schlaganfall und Diabetes Typ 2 vermeidbar.


Altern ist ein genetisch regulierter Prozess, d.h. die maximale Lebensspanne ist vorbestimmt. Ein gesundes und langes Leben wird beeinflusst durch Umgebungseinflüsse und den Lebensstil, insbesondere durch die Ernährung und körperliche Aktivität. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schlägt als Strategie für ein gesundes Leben eine Verlagerung des Schwerpunkts der Diagnose von Krankheiten auf ein kontinuierliches Monitoring der sogenannten persönlichen „intrinsischen Kapazität“ über den Lebenszyklus vor. Durch diese persönliche Betreuung kann das körperliche Wohlbefinden durch eine ausgeglichene Ernährung mit optimaler Versorgung mit den essenziellen Mikronährstoffen, d.h. Vitaminen und Mineralstoffen, ergänzt mit physischer Aktivität für ein gesundes und langes Leben unterstützt werden. Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit kann die Mehrzahl der Leute erwarten, dass sie 70 Jahre und älter werden. Auch früher gab es Leute, die alt wurden. Heute allerdings kann der Großteil der Bevölkerung 70 Jahre und älter werden. Das ist ein großartiger Beitrag der Wissenschaft, der Medizin und der Ernährung für die Menschheit.


Wie können wir ein langes und gesundes Leben unterstützen? Wir wollen gesund alt werden. Wo stehen wir da?


Die Lebenserwartung in Deutschland beträgt derzeit für Männer rund 78 Jahre, für Frauen sogar 83 Jahre; Frauen können im Durchschnitt 5 Jahre länger leben als Männer. In den USA liegt die Lebenserwartung für Männer bei 76 Jahren, für Frauen bei 81 Jahren. Weltmeister in der Lebenserwartung sind derzeit die Japaner mit einer Lebenserwartung von 81 Jahren für Männer und 87 Jahren für Frauen. In der Summe sehen wir deutliche Unterschiede zwischen den Ländern, und die Frage ist, warum? Warum hat die Bevölkerung in manchen Ländern die Chance länger zu leben? Wir werden diesen Aspekt gleich weiter vertiefen.


Aber vorher möchte ich einen anderen Punkt ansprechen: wir können nicht akzeptieren, dass wir ungefähr 10 Jahre verlieren, die durch Einschränkungen, Krankheit und Gebrechlichkeit charakterisiert sind! Damit sinkt die Zeit, in der wir das Leben genießen, in der wir Lebensqualität haben, auf 60 bis 70 Jahre. Die gute Nachricht ist, wir, der Einzelne, können dies beeinflussen. Wo stehen wir, was können wir machen, was sind die Möglichkeiten und die Verantwortung des Einzelnen?


Wir haben viel erreicht auf dem Weg zu einem langen und gesunden Leben. In den letzten 100 Jahren hat sich die durchschnittliche Lebenserwartung verdoppelt. Möglich wurde dies durch bessere Ernährung, Hygiene und Fortschritte in der medizinischen Behandlung von Krankheiten. Die Auswertung der Krankheits- und Todesursachen zeigt, dass wir allein in den letzten 50 Jahren Infektionskrankheiten wie Masern, Mumps, Hepatitis A und Tuberkulose deutlich reduzieren konnten und damit die Sterblichkeit aufgrund dieser Erkrankungen entsprechend zurückging. Auf der anderen Seite wurden durch den Lebenswandel neue Probleme und Problemkrankheiten generiert, beispielsweise Diabetes, kardiovaskuläre Erkrankungen, Asthma, Fettleber und andere. Diese ernährungsbedingten Krankheiten, im Fachbegriff werden sie auch als „nicht-kommunizierbare Krankheiten“ bezeichnet, weil sie nicht durch Bakterien oder Viren übertragen, d.h. kommuniziert werden, machen mittlerweile 70 % der Erkrankungen und Ursachen für Todesfälle aus. Und das können und wollen wir ändern durch Prävention!


Ernährungsbedingte Krankheiten haben ihren Beginn häufig in frühen Jahren. Eine Analyse der Ursachen, wie und wann sich ernährungsbedingte Krankheiten im Laufe der Lebenszeit entwickeln, zeigt bereits im Alter von 30 und 40 Jahren ein erstes Auftauchen dieser Krankheiten. Häufig liegen in diesen Jahren auch die Ursachen für spätere Erkrankungen. Mit dem Alter nimmt das Risiko für Kreislauferkrankungen, Atemwegserkrankungen, Depression, Diabetes Typ 2 und kognitiven Abbau, das heißt Alzheimer-Erkrankung sehr stark zu. Deshalb müssen wir bereits in frühen Jahren beginnen, auf unsere Gesundheit zu achten. Viele dieser erwähnten Krankheiten sind multifaktoriell, was heißt, dass sie verschiedene Ursachen haben können. Wichtige Vorsorgemaßnahmen sind dabei der Lebensstil, die Ernährung und eine optimale Versorgung mit den essenziellen Nährstoffen. Eine ausgewogene Ernährung über den Lebenszyklus unterstützt langfristig die persönliche Lebensqualität, ein gesundes Leben und gesundes Altern.


Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat Empfehlungen für ein gesundes Leben entwickelt. Die persönliche Kapazität, das heißt die persönliche Leistungsfähigkeit des Einzelnen nimmt kontinuierlich aber langsam im Laufe der Jahre ab. Parallel zum Rückgang der Leistungsfähigkeit nimmt auch die Widerstandsfähigkeit gegenüber Infektionen und anderen Krankheiten mit zunehmendem Alter ab. In den späteren Jahren im Alter haben wir ein höheres Risiko für altersbedingte Krankheiten. Das heißt, wir müssen über den gesamten Lebenszyklus für einen gesunden Lebensstil sorgen. Die Weltgesundheitsorganisation erläutert im Gesundheitsreport, dass bereits 40 % der ernährungsbedingten Krankheiten vor einem Alter von 70 Jahren auftreten. Die gute Nachricht der WHO ist jedoch, dass durch einen gesunden Lebensstil etwa ein Drittel der Krebserkrankungen und bis zu 80 % von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Diabetes und anderen ernährungsbedingten Krankheiten vermieden werden können, wobei die Ernährung ein wichtiger Teil davon ist.


Der Lebensstil, also Ernährung und Bewegung sind Erfolgsfaktoren für ein gesundes Leben. Ernährung und physische Aktivität können von jedem Einzelnen beeinflusst werden, jeder ist dafür selbst verantwortlich. Es gibt aber noch einen dritten Faktor, der die Lebensqualität mitbestimmt, das ist unsere genetische Vorbestimmung, das Genom, welches durch unsere Eltern vorgegeben ist. Interessanterweise können wir auch das Genom durch den Lebensstil zum Teil beeinflussen. Es sind die essenziellen Nährstoffe: die Vitamine können verschiedene Gene regulieren, hinauf regulieren oder herunter regulieren und damit den Metabolismus beeinflussen. Das ist ein wichtiger Aspekt, den wir mit berücksichtigen müssen, weil damit die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität beeinflusst werden.


Ich habe schon mehrfach die Rolle der Vitamine als essenzielle Nährstoffe angesprochen. Die Frage ist: Wo stehen wir in Deutschland mit der Versorgung an Vitaminen? Vitamine müssen dem Körper über die Diät zugeführt werden. Sie können vom Körper selbst nicht produziert werden. Ich habe die große Nationale Verzehrstudie (NVS II) in Deutschland in Bezug auf die Vitaminversorgung durch die Ernährung ausgewertet. Die Studie wurde mit mehr als 15.000 Teilnehmern durchgeführt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung.

Ich habe schon mehrfach die Rolle der Vitamine als essenzielle Nährstoffe angesprochen. Die Frage ist: Wo stehen wir in Deutschland mit der Versorgung an Vitaminen? Vitamine müssen dem Körper über die Diät zugeführt werden. Sie können vom Körper selbst nicht produziert werden. Ich habe die große Nationale Verzehrstudie (NVS II) in Deutschland in Bezug auf die Vitaminversorgung durch die Ernährung ausgewertet. Die Studie wurde mit mehr als 15.000 Teilnehmern durchgeführt. Die Ergebnisse sind repräsentativ für die deutsche Bevölkerung. 


Zur Darstellung der Versorgungslage bei Vitaminen nutze ich ein Ampelsystem mit 5 Farben: die Ampel zeigt ein Grün, wenn der Großteil der Bevölkerung eine ausreichende Vitaminversorgung nach den Empfehlungen bekommt. Die Ampel zeigt auf Rot, wenn mehr als 75 % der Bevölkerung keine Versorgung mit den Vitaminen entsprechend den Empfehlungen erhält. Die anderen Farben, ein Gelbgrün, ein Gelb und Orange werden für die Versorgungslage dazwischen gegeben. Nehmen wir als erstes Beispiel die Versorgung mit Niacin, dem sogenannten Vitamin B3. Die Ampel steht auf Grün, das heißt, die Bevölkerung ist bei diesem Vitamin gut versorgt. Nur 1,2 % der Männer und 1,8 % der Frauen erreichen durch die Diät nicht die Empfehlung. Bei den anderen Vitaminen sieht es nicht so gut aus: bei Vitamin A bekommen etwa 15 % der Männer und 10 % der Frauen nicht die ausreichende Versorgung, bei Vitamin B1 erreichen etwa 20 % der Männer und 10 % der Frauen die Empfehlung nicht. Ähnlich sieht es bei Vitamin B6, bei Vitamin B2 und B12 aus.  Beim Vitamin C ist die Versorgung noch deutlich unbefriedigender, 32 % der Männer und 28 % der Frauen bekommen nicht ausreichend Vitamin C durch die Diät im Vergleich zur Empfehlung. Noch ausgeprägter sieht die Unterversorgung bei Vitamin E aus, etwa die Hälfte der Männer und Frauen haben keine optimale Versorgung mit Vitamin E!  Die großen Problemvitamine sind Folat und Vitamin D, etwa 80 % der Männer und Frauen bekommen durch die Ernährung nicht genügend Folat; und bei Vitamin D ist die Unterversorgung sogar im Bereich bis zu 90 % bei Frauen und Männern. Ein Grund für die Unterversorgung im Vergleich zu den Empfehlungen liegt darin, dass sowohl Obst wie auch Gemüse nicht ausreichend verzehrt werden. Das ist meines Erachtens besorgniserregend und ein Grund über eine gesunde und ausgeglichene Ernährung einschließlich Nahrungsergänzung nachzudenken!


Damit stellt sich die Frage: was sind die potentiellen Konsequenzen der Nährstoffunterversorgung für die Lebensqualität, Gesundheit und Lebenserwartung der Bevölkerung, und was kann gemacht werden, um – bei diesem komplexen Sachverhalt – Lösungen für die Bevölkerung und für den Einzelnen zu erzielen?


Eine Herausforderung ist, dass man nicht merkt, wann eine Unterversorgung mit Vitaminen und Mineralstoffen vorliegt. Es fällt nicht auf, sondern hat erst langfristig Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden. Deshalb ist zu erwarten, dass neue Lösungen einen Fortschritt bringen werden und diese Lösungen auch als persönlicher Coach für den Einzelnen gelten werden und gelten können. Was meine ich damit?: wenn wir die Ernährungsempfehlungen nehmen, wie sie heute definiert sind, so wissen wir, es gibt Empfehlungen für die Nährstoffzufuhr, zum Beispiel 95 mg Vitamin C pro Tag für Frauen, 110 mg Vitamin C pro Tag für Männer, wir sollen 5 Portionen Obst und Gemüse essen und so weiter. Es gibt eine sogenannte Ernährungspyramide, die uns sagt, von welchen Produkten wir viel essen sollen, welche Lebensmittel sollen wir mittel, und welche Produkte wir nur maßvoll verzehren sollen. Diese Empfehlungen gelten für die allgemeine Bevölkerung, und die wichtige Frage ist: Was bedeutet es für den Einzelnen, abhängig vom Geschlecht, vom Alter, vom Gewicht und vom Aktivitätslevel? Möglicherweise gibt es Einschränkungen wie eine Lebensmittelintoleranz, und letztendlich spielt auch das individuelle Genom eine Rolle. Damit ergeben sich die Fragen: welche essenziellen und nicht-essenziellen Nährstoffe braucht der Einzelne, und wieviel soll er davon bekommen? Wieviel soll er an Obst, an Brot, an Fleisch und Fisch, Milchprodukten und anderen Lebensmitteln essen? Welche Lebensmittel und wieviel davon sollen die Diät des einzelnen Individuums ausmachen? Neue Technologien, wie die individuelle Messung des Blutspiegels, des Genoms, des Schlafverhaltens und anderer Faktoren werden Möglichkeiten für eine persönliche Ernährung eröffnen, die helfen, Antworten auf all diese Fragen zu geben.


Die Beispiele zeigten, dass durch die Diät häufig keine ausreichende und optimale Versorgung mit essenziellen Nährstoffen erreicht wird. Aus diesem Grunde kann ein Nahrungsergänzungsmittel eine sinnvolle Ergänzung sein, und insbesondere dann, wenn es hilft, die Lücke bei Mikronährstoffen zu schließen und zusätzlich das Genom berücksichtigt. Dies stellt eine innovative, eine effiziente und sichere Lösung dar. Damit meine ich, dass Prävention und Lebensqualität eine realistische Möglichkeit und eine realistische Zielsetzung sind, und es am Einzelnen liegt, dies für sich möglich zu machen.


Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Aufrechterhaltung der intrinsischen Kapazität für ein gesundes Leben und eine gesunde Alterung relevant ist. Ein gesunder Lebensstil mit einer ausgewogenen Ernährung einschließlich mit Nährstoffen fortifizierter Nahrungsmittel und des Gebrauchs von Nahrungsergänzungsmitteln, die alle Nährstoffe liefern, ist eine Möglichkeit, die Lebensqualität und gesundes Altern zu unterstützen. Die Überwachung der intrinsischen Kapazität, also des Gesundheitszustandes, über den gesamten Lebensverlauf ist der empfohlene Ansatz, anstatt auf den Beginn von Krankheiten zu warten. Gesundes Altern ist eine realistische Perspektive und hat einen großen Einfluss auf den Einzelnen wie auch auf die Gesamtgesellschaft.

 

Weiterführende Literatur:




Dr. Manfred Eggersdorfer hält als Professor im Department Interne Medizin am University Medical Center Groningen (UMCG), Holland, den Lehrstuhl „Gesundes Altern“. Herr Eggersdorfer studierte Chemie an der Technischen Universität München und promovierte in organischer Chemie auf dem Gebiet der Synthese und Charakterisierung von ungewöhnlichen Aminosäuren. Anschließend forschte er an der Stanford University, Palo Alto, USA, bei Prof. Carl Djerassi über Sterole aus Meeresorganismen als potenzielle Kontrazeptiva. Seine weiteren Forschungsarbeiten konzentrieren sich auf die Rolle der Vitamine, Carotinoide und polyungesättigte Omega-3-Fettsäuren in der Humanernährung. Er war Forschungsleiter für Roche Vitamins und später für DSM Nutritional Products. Er hält außerdem verschiedene Beratungstätigkeiten außerhalb der Universität. Dr. Eggersdorfer ist Vorsitzender der Gesellschaft für angewandte Vitaminforschung (GVF) und aktives Mitglied des Advisory Boards der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health, er war über viele Jahre Mitglied des Strategischen Boards des Institute of Food Science Universität Hamburg, und ist darüber hinaus in verschiedenen anderen Organisationen aktiv. Er ist Autor zahlreicher Publikationen im Forschungsfeld der Mikronährstoffe und Innovationen für Nährstoffe. Er agiert zudem als Gutachter und Editor für verschiedene wissenschaftliche Journale.


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